Balkonkraftwerke mit Speicher gibt es inzwischen einige – aber die meisten Lösungen bestehen aus einem Mix aus Wechselrichter, separatem Akku, Smart‑Meter und einer Handvoll Apps, die alle irgendetwas regeln wollen. Der Zendure SolarFlow 800 Pro will das einfacher machen: All‑in‑One‑Gerät mit integriertem 48‑V‑Speicher, vier MPPT‑Eingängen, 800‑W‑Netzeinspeisung, 1.000‑W‑Notstromsteckdose und einem HEMS, das mit Smart‑Metern zusammen echte Nulleinspeisung fahren kann.
Im ersten Teil geht es „trocken“, aber verständlich darum, wie das System für Otto Normalverbraucher mit HEMS und Stromzähler funktioniert.
Danach zeige ich, wie ich den SolarFlow 800 Pro bei mir mit Zendure‑HA in Home Assistant ohne HEMS‑Regelung betreibe und damit Nulleinspeisung rein lokal realisiere.
Key‑Facts & Technische Daten
Die wichtigsten Eckpunkte des SolarFlow 800 Pro in Kurzform:
- PV‑Eingang: 4 × MPPT, je bis zu 660 W, insgesamt max. 2.640 W PV‑Leistung (16–55 V DC, bis 18 A).
- Netzeinspeisung (On‑Grid): bis 800 W / 3,5 A, Balkonkraftwerk‑konform.
- Off‑Grid‑Ausgang: 1.000 W Dauerleistung über Schuko‑Steckdose, kurzzeitig bis ca. 1.200 W.
- Akku: 1,92 kWh LiFePO₄ (integriert, 48 V), erweiterbar auf bis zu 11,52 kWh mit zusätzlichen AB2000(X)‑Modulen.
- Architektur: 48‑V‑System, GaN‑Technik, hoher Gesamtwirkungsgrad, ehrliche Round‑Trip‑Verluste um ~17% realistisch.
- Schutz: IP65, Outdoor‑tauglich, 25,9 kg, ca. 34 × 20 × 34 cm.
- Kommunikation: WLAN (2,4 GHz), Bluetooth, HEMS mit Smart‑Meter‑Integration und Nulleinspeisungs‑Modus.
Lieferumfang


Im Paket des SolarFlow 800 Pro findet man:
- Zendure SolarFlow 800 Pro mit integriertem Akku (1,92 kWh)
- Netzkabel mit Schuko‑Stecker
- Wandhalter/Winkel mit Schrauben und Dübeln
- Kurzanleitung, Sicherheits‑Hinweise
PV‑Module, Shelly‑Zähler oder andere Stromtracker sind natürlich nicht dabei, die müssen separat kommen.
Erster Eindruck
Optisch ist der SolarFlow 800 Pro ein kompakter Block aus Aluminium mit markanten Kühlrippen, IP65‑Gehäuse und einem sauber integrierten Frontdisplay. Die Verarbeitung ist solide: keine scharfen Kanten, nichts klappert, die Anschlüsse sitzen fest – das wirkt eher nach klassischer PV‑Hardware als nach „Gadget“.
- Rechts sitzen
- vier markierte MPPT‑Eingänge (MC4), klar beschriftet.
- die WLAN-Antenne .
- der Anschluss für einen optionalen 12‑V‑Lüfter.
- Links
- der AC‑Anschluss fürs Hausnetz.
- die 230‑V‑Off‑Grid‑Steckdose.
Mit gut 25 kg ist das Ding kein Leichtgewicht, aber mit zwei Griffmulden handhabbar.
Einrichtung
Physischer Aufbau
Der physische Aufbau ist für ein Balkonkraftwerk ungewohnt „erwachsen“, aber unkompliziert:
- SolarFlow 800 Pro an einem geschützten, trockenen Ort aufstellen oder mit den Haltern an der Wand montieren.
- Bis zu vier PV‑Strings per MC4 anschließen – idealerweise so, dass die Modulspannung im Bereich 30–40 V liegt, damit die MPPT‑Eingänge sauber arbeiten.
- Netzkabel direkt in eine Wandsteckdose stecken (keine Baumarkt‑Mehrfachleiste).
- Optional Smart‑Meter (Zendure 3CT, Shelly, D0/P1) im Zählerschrank installieren und ans gleiche Netzwerk bringen.
App‑Einbindung & Grundkonfiguration






Die Inbetriebnahme läuft über die Zendure‑App:
- Gerät per Bluetooth suchen, koppeln und ins WLAN (2,4 GHz) bringen.
- Region und Balkonkraftwerk‑Limit (800 W) setzen.
- HEMS aufsetzen, Smart‑Meter verbinden, optional Zeitpläne und Betriebsmodi definieren.







Nach ein paar Minuten steht das System im Standardbetrieb: erzeugt tagsüber Strom, lädt den Akku und speist bis zu 800 W ins Hausnetz.
Einstellungsmöglichkeiten
Die App ist voll mit Optionen – wichtig ist zu wissen, welche für wen relevant sind.
Modi für Otto Normalverbraucher
Für die meisten Anwender sind diese Modi entscheidend:
- Smart‑Meter‑/Smart‑CT‑Modus:
Nutzt Zendure‑Smart‑Meter oder z. B. Shelly 3EM, um die Hauslast zu messen. Das HEMS regelt die Einspeiseleistung so, dass am Netzanschlusspunkt möglichst keine Einspeisung anliegt (Nulleinspeisung). - Automatikmodus:
Kümmert sich ohne viel Feintuning um Grundlast‑Abdeckung und Akku‑Nutzung, auf Basis der gemessenen Hauslast und Solarleistung. - Stromtarif‑Modus:
Für dynamische Tarife – kann nachts bei günstigen Preisen aus dem Netz laden und tagsüber in teuren Phasen wieder einspeisen. - ZenKI‑/KI‑Modus:
Die „smarte“ Variante, die PV‑Prognosen, Verbrauchsverhalten und Strompreise kombiniert, um automatisch Lade‑/Entladestrategien zu optimieren.








Zusätzlich lassen sich Grenzen für:
- maximale Einspeiseleistung (On‑Grid bis 800 W, Off‑Grid bis 1.000 W),
- maximale AC‑Ladeleistung (bis 1.000 W),
- SoC‑Fenster (z. B. nicht unter 20%, nicht über 90%)
setzen. Damit bekommt man das System auch als Nicht‑Nerd gut in den Griff.
Nulleinspeisung mit HEMS und Stromzähler
Für den normalen Anwender ist Nulleinspeisung genau das, was die App verspricht: „Kein Strom ins öffentliche Netz“.
Funktionsweise
Im Smart‑Meter/Smart‑CT‑Modus arbeitet das HEMS so:
- Der Smart‑Meter (z. B. Zendure 3CT, D0‑/P1‑Adapter oder Shelly 3EM) misst am Hausanschluss die aktuelle Leistung – positive Werte bei Netzbezug, negative bei Einspeisung.
- Diese Werte gehen direkt an den SolarFlow 800 Pro.
- Das HEMS passt die Ausgangsleistung des Wechselrichters in kleinen Schritten an, sodass der Wert am Netzanschluss möglichst bei 0 W bleibt.
In der Praxis heißt das:
Solange genug PV‑Leistung und Akkukapazität vorhanden sind, versorgt das System das Haus so, dass der Haushaltszähler nahezu stillsteht – weder Bezug noch relevanter Export.
Wie gut funktioniert das?
Tests und Erfahrungsberichte kommen zu einem recht klaren Bild:
- Reaktionszeiten liegen typischerweise im Bereich 1–3 Sekunden, je nach Smart‑Meter.
- Kleine Lastsprünge (z. B. Licht, kleine Geräte) werden sauber ausgeregelt; bei sehr schnellen, großen Lasten gibt es kurz Peaks, die sich aber über den Tag mitteln.
- Für den typischen saldierenden Haushaltszähler ist das Nulleinspeise‑Verhalten absolut ausreichend, sofern der Smart‑Meter sauber montiert und konfiguriert ist.
Für Otto Normalverbraucher gilt:
Smart‑Meter wählen, HEMS‑Nulleinspeisung aktivieren, laufen lassen – das funktioniert in der Regel so, wie beworben, ohne dass man Home Assistant, Tasmota oder eigene Skripte anfassen muss.
Welche Stromzähler funktionieren?
Zendure unterstützt offiziell mehrere Varianten:
- Zendure 3CT Smart‑Meter:
Drei Stromwandler, Hutschienen‑Montage, direkte Integration ins HEMS. - Zendure D0‑/P1‑Adapter:
Für Haushaltszähler mit IR‑Schnittstelle (D0) oder P1‑Port; wird per Magnet am Zähler „angeklipst“. In der Regel wird hier die Stromzähler-PIN vom Netzbetreiber benötigt. - Shelly 3EM / Shelly Pro 3EM:
Dreiphasiger Smart‑Meter, kann per Cloud/HEMS mit dem SolarFlow verbunden werden, um Last und Einspeisung zu messen. - IR‑Lösungen wie Everhome EcoTracker:
IR‑Lesekopf am digitalen Haushaltszähler, der die Werte an Zendure übergeben kann. Auch hier wird In der Regel die Stromzähler-PIN vom Netzbetreiber benötigt.
Wichtig ist, dass der Zähler:
- die Gesamtleistung am Netzanschlusspunkt liefert (saldierend über alle Phasen),
- zuverlässig und mit ausreichender Abtastrate arbeitet,
- sauber im HEMS als Referenzsensor hinterlegt ist.
Damit ist man für den normalen Anwendungsfall komplett im Zendure‑Ökosystem unterwegs – ohne Home Assistant oder eigene Logik.
Nulleinspeisung mit Zendure‑HA in Home Assistant (Mein Setup)
Ich gehe bewusst einen anderen Weg, weil ich mein Smart‑Home ohnehin mit Home Assistant steuere.
Tasmota‑P1‑Sensor statt dediziertem Smart‑Meter
Am digitalen Haushaltszähler hängt bei mir ein IR‑Lesekopf mit Tasmota (PIN erforderlich), der:
- aktuelle Leistung (Bezug/Einspeisung),
- Gesamt‑kWh, Tarife usw.
als Entitäten in Home Assistant zur Verfügung stellt. Das entspricht funktional einem D0‑ oder P1‑Smart‑Meter, ist aber komplett unter eigener Kontrolle.
Da diese Rohwerte ziemlich „zappelig“ sind, habe ich mir in HA einen gefilterten P1‑Sensor gebaut, der:
- sehr kurze Peaks (3–5 Sekunden) ignoriert,
- Messrauschen glättet,
- sich trotzdem schnell genug an geänderte Lasten anpasst.
sensor:
- platform: filter
name: "Stromverbrauch / Einspeisung FILTERED BATTERIE"
unique_id: tasmota_smartmeter_har_power_curr_filtered_batterie
entity_id: sensor.tasmota_smartmeter_har_power_curr
filters:
- filter: outlier
#window_size: 5
window_size: 8
radius: 600
Dieser gefilterte Sensor ist die Grundlage für meine Regelung – damit vermeide ich, dass jede Kleinigkeit sofort den Lade‑ oder Entladevorgang stoppt.
Zendure‑HA als einziger Regler
Für die Steuerung setze ich auf das Zendure‑HA‑Plugin (Community‑Integration) in Home Assistant:
- Zendure‑HA bekommt meinen gefilterten P1‑Sensor als „Grid‑Sensor“ übergeben.
- Das Plugin berechnet daraus, wie viel der SolarFlow 800 Pro gerade liefern bzw. laden soll, damit der Netzfluss möglichst bei 0 W bleibt.
- Es setzt dann über die Zendure‑API bzw. lokale Schnittstellen das Output‑Limit am SolarFlow.
Wichtig:
In diesem Setup ist Zendure‑HA der einzige „intelligente“ Regler. Das integrierte HEMS im SolarFlow nutze ich nur für statische Rahmenbedingungen (Region, maximal 800 W Einspeisung, SoC‑Grenzen) – nicht zusätzlich für Smart‑Meter‑ oder ZenKI‑Modi.

Sobald HEMS und Zendure‑HA gleichzeitig versuchen, Nulleinspeisung zu regeln, drehen zwei Regler am gleichen Parameter – das führt zwangsläufig zu Ping‑Pong‑Effekten und unruhigem Verhalten. Daher muss, wenn man Zendure-HA zur Regelung in Home Assistant verwenden möchte, zwingend HEMS in der Zendure-App deaktiviert werden.
Vier PV‑Module am Pro, 800‑W‑Limit ins Netz
Bei mir hängen vier PV‑Module direkt am SolarFlow 800 Pro, sodass das Gerät PV‑seitig bis zu 2.400 W verarbeiten kann.
Trotzdem gibt der Pro – wie rechtlich gefordert – nie mehr als 800 W ins Hausnetz ab.



In der Praxis sieht das so aus:
- Bei starker Sonne lädt der Pro zuerst den Akku und versorgt parallel die Hauslast bis 800 W.
- Zendure‑HA sorgt dafür, dass der Zähler am Netzanschlusspunkt möglichst bei 0 W bleibt.
- Alles, was darüber hinaus an PV‑Leistung übrig ist, landet im Akku statt im Netz.
- Wenn der Akku voll ist und die PV weiterhin Strom erzeugt, begrenzt der SolarFlow über seine MPPT‑Regelung einfach die aufgenommene PV‑Leistung auf das, was Hausverbrauch und eingestellte Einspeisegrenze zulassen – der Rest bleibt ungenutzt und geht nicht mehr ins Netz.
Damit nutze ich die Stärken des Geräts (vier MPPT, 2.640 W PV‑Eingang, 48‑V‑Speicher) und kombiniere sie mit einer eigenen, lokal laufenden Nulleinspeisungs‑Logik in Home Assistant.
Alltag, Effizienz & Geräusch
Im Alltag verhält sich der SolarFlow 800 Pro erfreulich unspektakulär – was bei so einem Gerät ein Kompliment ist.
- Dank 14‑V‑Startspannung beginnt die PV‑Erzeugung früher als bei vielen klassischen Wechselrichtern; besonders an trüben Tagen kommt so spürbar mehr zusammen.
- Messungen und Tests zeigen hohe Wirkungsgrade bei mittleren und höheren Leistungen; bei sehr kleinen Einspeisungen sinkt der Wirkungsgrad wie üblich deutlich ab.
- Standby‑Verbräuche liegen im niedrigen einstelligen Watt‑Bereich; im 24‑Stunden‑Betrieb verliert man grob 100 Wh und damit ein paar Prozent SoC, wenn das System nichts zu tun hat.
Durch die passive Kühlung arbeitet der Pro komplett lüfterlos; die einzigen Geräusche kommen von Relais‑Schaltvorgängen, wenn Modi wechseln oder der Notstromausgang zugeschaltet wird.
Fazit
Der Zendure SolarFlow 800 Pro ist deutlich mehr als „nur“ ein Balkonkraftwerk mit Batterie – technisch ist das ein kleiner 48‑V‑Hausspeicher mit vier MPPT‑Eingängen, 800‑W‑Einspeisung, 1.000‑W‑Notstromsteckdose und einem recht leistungsfähigen HEMS.

Für Otto Normalverbraucher:
Smart‑Meter dran (Zendure, Shelly, EcoTracker & Co.), Nulleinspeisung im HEMS aktivieren, ein paar Grundparameter setzen – fertig. Die Nulleinspeisungs‑Regelung funktioniert damit in der Praxis gut genug, um den Haushaltszähler effektiv auf „Null“ zu halten, ohne dass man sich tiefer mit Smart Home oder eigener Logik beschäftigen muss.
Für Leute wie mich mit Home Assistant:
Spannend wird der SolarFlow 800 Pro, wenn man ihn konsequent in die eigene Smart‑Home‑Logik integriert – z. B. mit Tasmota‑P1‑Sensor am Zähler und Zendure‑HA als einzigem Regler. Dann hat man ein sauberes, gut steuerbares System, das sich lokal betreiben lässt, ohne dass drei verschiedene Clouds um die Kontrolle kämpfen.
Unterm Strich:
Wenn du einfach nur ein günstiges Balkonkraftwerk willst, ist das Ding übertrieben.
Wenn du aber – wie ich – ein bestehendes Smart‑Home‑Setup mit Home Assistant, Tasmota‑Zähler und Lust auf Nulleinspeisung hast, ist der SolarFlow 800 Pro eine sehr spannende Basis, auf der man sich technisch austoben kann, ohne im Kabelchaos zu enden.
Gekauft habe ich meinen SolarFlow 800 Pro übrigens zusammen mit einer zusätzlichen AB2000X über eine myDealz‑Alarm‑Benachrichtigung bei AliExpress – für insgesamt unter 620 €. Und Stand heute ertappe ich mich tatsächlich dabei, über eine dritte AB2000X nachzudenken, weil selbst an bedeckten Tagen mit nur 60–90 Minuten Sonne beide Akkus ohne Probleme voll werden.

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